Forschung

Ästhetik als Beziehungskunst. Wahrheit – Schönheit – Güte

Ästhetik ist, wie es der Basler Philosoph Heinrich Barth einmal formulierte, nicht nur eine Disziplin, die sich mit den Werken der Kunst befasst, sondern die grundsätzlich das erschließt, «was wir unter Erscheinung zu verstehen haben». Damit trägt die Ästhetik grundlegend zur «Erkenntnis der Existenz» bei. Sie untersucht den Zusammenhang von Sinnlichem und Geistigem als Einheit und etabliert ein Weltverhältnis jenseits der Subjekt-Objektspaltung.

Rudolf Steiner verfolgte in Auseinandersetzung mit Goethe bereits früher einen ähnlichen Ansatz. Er forderte weitergehend durch den künstlerischen Prozess eine Erhebung des Stoffes in die geistige Sphäre. Wie kann also der auf Goethe fußende Ansatz von Rudolf Steiners Ästhetik in seiner Bedeutung für das Verständnis der Kunst und der künstlerischen Prozesse allgemein fruchtbar gemacht werden, so dass die Perspektive dieser neuen Ästhetik zu einem alles umfassenden Lebensprinzip wird? Diese Zusammenhänge zu erforschen und darzustellen, ist Ziel des Forschungsvorhabens, das verschiedene wissenschaftliche und künstlerische Disziplinen zusammenführt.

Die Wechselwirkung von Mensch und Architektur

Welche Rolle spielt Architektur in der Beziehung von Mensch, Gesellschaft und Umwelt? Wie kann sie so gestaltet werden, dass sie die Gesundheit und die Entwicklung des Menschen und der Gesellschaft auf eine umweltverträgliche Weise unterstützt?

Die meisten Architekturausbildungen sowie die gängige Baupraxis sind vor allem auf die Herstellung von funktionalen und ökonomisch realisierbaren Objekten hin orientiert. Es gilt, ein Bewusstsein dafür zu bilden, wie die Architektur, insbesondere im städtischen Umfeld, ganzheitlich betrachtet auf den Menschen, die Gesellschaft und die Umwelt wirkt. Der Einblick in die Vielschichtigkeit dieser Wechselwirkung von Architektur und Mensch ist für die Qualität der Ergebnisse von Entwurfsprozessen entscheidend. Es gibt heute ein zunehmendes Bewusstsein für den Einfluss von Bauwerken auf die Umwelt, aber noch sehr wenig Bewusstsein für deren Einfluss auf den Menschen und die Gesellschaft.

Bild Wild Reindeer Pavilion. Entwurf Snøhetta 2011. (Foto: Pieter van der Ree)

Das Schöpferische im künstlerischen Prozess und seine Bedeutung für den Menschen und die gesellschaftlichen Prozesse

Mit seinem berühmten Ausspruch «Jeder Mensch ist ein Künstler» hat Joseph Beuys den Nerv der Zeit getroffen und gleichzeitig eine Zukunftsaufgabe formuliert. Unsere gegenwärtige, von technischen Prozessen dominierte Kultur mechanisiert den Menschen und beraubt ihn damit seiner Lebenskräfte und seiner Menschlichkeit, was letztlich zur Zerstörung von Kultur und Natur führt. Im Üben künstlerischer Fähigkeiten kann jeder Mensch seines schöpferischen Potentials bewusst und damit für die lebendigen Prozesse innerhalb seiner selbst, der Mitmenschen und der Natur sensibilisiert werden.

Es geht darum, diese Schicht des schöpferisch Lebendigen, des Ätherischen, zu beschreiben und durch Übungen aus Malerei, Bildhauerei, Architektur, Kunstbetrachtung, Eurythmie, Musik, Sprachgestaltung und Drama erlebbar zu machen.